Schulz, Kristin
Kristin Schulz, 1975 geboren, ist Germanistin, Autorin und Übersetzerin. Nach Studium und Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin und Promotion 2008 ist sie am dort angesiedelten Heiner Müller Archiv/Transitraum tätig. Zahlreiche Veröffentlichungen, u. a. zu Thomas Brasch, als Mitarbeiterin der Heiner-Müller-Werkausgabe des Suhrkamp Verlages und als Herausgeberin von MÜLLER MP3 Tondokumente 1972 bis 1995 (2011, mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2012 ausgezeichnet). Zuletzt erschien Gesammelte Fehlmärchen. Gedichte (2014).

/ Hundert Arten auf den Wolf zu kommen

Mit zehn farbigen Illustrationen von Helge Leiberg

„Mama, ich hab Angst, ich kann nicht einschlafen. / Wovor hast du denn Angst? / Vor dem Wolf. Dass er herkommt“. Mateja Ellen Ruth Sarah Mutesius liegt im Dunkeln im Bett, überzeugt, dass der Wolf Mittel und Wege findet, zu ihr vorzudringen. Und was dann passiert, weiß sie aus Büchern. Ebenso wendig und findig wie die Tochter, die die möglichen Schlupflöcher des Wolfes ausbuchstabiert, reagiert die Mutter und beruhigt das Kind. So nimmt der existenziell verwobene Dialog von Tochter und Mutter seinen Lauf. Hundert Arten auf den Wolf zu kommen erzählt von verschlungenen Umwegen, die die Gedanken, zu Gestalten geworden, nehmen: Ein Erfinden aus Not wird zur Offenbarung, wie dem Wolf und der Angst beizukommen ist. Abkürzungen helfen nicht, aber vielleicht Kuchen mit Kirschen?Helge Leibergs Bilder nehmen die Gedanken von Tochter und Mutter in der Verfolgung der Schatten auf und beginnen ihrerseits eine poetische Reise – hinein in die Tagträume und Dunkelkammern der Fantasie, mit ungeahnten Dimensionen …Ausgezeichnet als "Bilderbuch des Monats November 2021" von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V.   Leseprobe

15,00 €*
/ Klartext: Bühne oder Feuer

Szenen, Gedichte, Prosa und Skizzen aus dem Nachlass

In Verbindung mit der Akademie der Künste herausgegeben von Kristin Schulz

„Als dem S. wieder mal der Stein den Berg runtergerollt war, sagte er laut: Jetzt ist aber Schluß mit der Scheiße, er vergrub den Stein in der Erde und wollte seiner Wege gehen. Wohin wußte er nicht.“ (Georg Seidel) Georg Seidel (1945–1990) ist noch immer ein Geheimtipp, obwohl er Anfang der 1990er-Jahre mit seinem Theaterstück Villa Jugend von der hymnischen Kritik gleich neben Heiner Müller platziert wurde. Der Band, der zu Ehren von Seidels 75. Geburtstag erscheint, versammelt zahlreiche unbekannte Texte aus dem Nachlass: autobiografische Notate, Programmatisches, Tagebucheinträge, Lyrik, Szenen und kurze Stücke sowie ein bisher ungespieltes Berlin-Stück, geschrieben 1987 anlässlich der bevorstehenden 750-Jahr-Feier der Stadt: ein grotesker Bilder- und Geschichtsbogen, gespannt über 200 Jahre, der den Fall der Mauer zwei Jahre vor dem tatsächlichen Ereignis vorwegnimmt. Geboren 1945 in Dessau, arbeitete Georg Seidel als gelernter Werkzeugmacher, ab 1968 als Bühnenarbeiter am Dessauer Theater. Die zugesagte Immatrikulation beim Leipziger Literaturinstitut Johannes R. Becher wurde zurückgezogen. Ab 1973 war er als Beleuchter tätig, ab 1975 am Deutschen Theater in Berlin, an dem er sieben Jahre später zum dramaturgischen Mitarbeiter aufstieg. Seit Ende 1987 schlug er sich als freischaffender Autor durch, bis er im Juni 1990 einem Krebsleiden erlag, ohne die erfolgreiche Uraufführung seines letzten Theaterstücks Villa Jugend am Berliner Ensemble noch mitzuerleben, für das er im selben Jahr postum den Mülheimer Dramatikerpreis erhielt.

20,00 €*
Angewandte Verhältnisse

Gedichte

Angewandte Verhältnisse – das sind Gedichte über unbequeme Verhältnisse, die zum Aufstand rufen, bis die Stellungen ausgeschritten sind und die Grenzen sich weiten. Sie umkreisen den Irrsinn und schweifen ins Wortwörtliche aus: Von Affe bis Zaum sind die Kose- wie Schimpfworte adressiert, mal Widmungen und Wendungen, mal kinderleichte Kinderlieder, aus schiefschwarzem Mund gesungen. Im Versuch, sich einen schlafwandlersicheren Reim auf die Dinge zu machen, die sich nicht fügen, ohne zu lügen, wird die eigene Stimme wieder vernehmbar.

15,00 €*