Platonow, Andrej

Andrej Platonow (eigentlich Andrej Platonowitsch Klimentow) wird am 28. August 1899 als Kind armer Leute in Woronesch geboren. Mit zwölf beginnt er Gedichte zu schreiben, und er entwickelt eine Leidenschaft für Technik, angeregt durch seinen Vater, der als Schlosser in den Eisenbahnwerkstätten von Woronesch arbeitet und mehrere Erfindungen konstruiert.

1917 begrüßt er die Oktoberrevolution und nimmt als Helfer eines Lokomotivführers sowie als Frontberichterstatter auf Seiten der Roten Armee am Bürgerkrieg teil. 1818 beginnt er ein Studium der Geschichte und Philologie, 1919 wechselt er an das Polytechnikum der Woronescher Eisenbahner und absolviert eine Ausbildung zum Elektrotechniker. Gleichzeitig arbeitet er literarisch-journalistisch. Es erscheinen Zeitungsartikel, Erzählungen, Gedichte.

Unter dem Eindruck der Dürrekatastrophe 1921 in Russland beschließt Platonow, sein Wirken in den Dienst der notleidenden Bevölkerung zu stellen. Von 1922 bis 1926 leitet er als Ingenieur für Bewässerung und Elektrifizierung im Woronescher Gouvernement die Aufbauarbeiten in der Landwirtschaft. 1926 wird er in eine Führungsposition der Gewerkschaft der Land- und Forstarbeiter gewählt und siedelt nach Moskau über. Aufgrund einer Intrige wird er nach nur vier Wochen entlassen, ist ohne Arbeit und von Obdachlosigkeit bedroht. Der Versuch einer erneuten Tätigkeit als Bewässerungsingenieur scheitert.

1927 erlebt Platonow seinen Durchbruch als Schriftsteller, als sein Erzählungsband Die Epiphaner Schleusen erscheint. In seinen Werken übt er radikale Kritik an der sowjetischen Bürokratie, was heftige Reaktionen zur Folge hat. Er wird beschuldigt, ein „Klassenfeind“ zu sein. Als 1931 seine Erzählung Zu Nutz und Frommen erscheint, in der er sarkastisch mit der Kollektivierung in der Landwirtschaft abrechnet, erklärt Stalin persönlich Platonow zur Persona non grata, seine Werke dürfen nicht mehr erscheinen.

Mit Unterstützung Gorkis gelingt ihm die Rückkehr ins literarische Leben: 1934 fährt er mit einer Schriftstellerbrigade in die mittelasiatische Sowjetrepublik Turkmenistan. Die Reise wird zu einem Wendepunkt in Platonows literarischem Schaffen. Es entstehen der Roman Dshan und der Essay Über die erste sozialistische Tragödie. Beide Werke können erst Jahre nach dem Tod des Schriftstellers erscheinen. In den 30er-Jahren veröffentlicht Platonow einige Erzählungen und Essays, als verfemter Schriftsteller führt er aber ein Dasein am Rande der sowjetischen Literatur und Gesellschaft. 1938 wird Platonows 15-jähriger Sohn Platon als „Spion“ verhaftet. In einem verzweifelten Kampf erwirkt Platonow 1940 die Freilassung seines Sohnes, der aber an Tuberkulose erkrankt aus der Haft wiederkehrt und 1943 stirbt. Andrej Platonow stirbt, ebenfalls an Tuberkulose, am 5. Januar 1951 in Moskau.

Nach Stalins Tod 1953 können seine Bücher allmählich wieder erscheinen. Die Erschließung von Platonows Gesamtwerk begann erst Mitte der 1980er-Jahre und währt bis heute an.

Platonow, Andrej / Leetz, Michael

Dshan oder Die erste sozialistische Tragödie

Prosa ∙ Essays ∙ Briefe

Aus dem Russischen übersetzt und herausgegeben von Michael Leetz

ca. 368 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag3
Preis: ca. 28,00 Euro (D) / 28,70 Euro (A)
Quintus Verlag

Der Quintus-Verlag wurde im fünften Monat des Jahres 2016, am Montag nach Trinitatis gegründet. Gleich das erste Programm skizziert die Bereiche, in denen der Verlag sich bewegen wird: Literatur, Kunst und (Geistes-)Geschichte, vorrangig im erzählenden Sachbuch dargeboten.

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